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Wie spielt man Tonbandstimmen ein?

Eine praktische Anleitung

Tonbandstimmen einzuspielen ist im Prinzip nichts Besonderes oder "Geheimnisvolles". Technisch gesehen handelt es sich um eine ganz normale Tonaufnahme: Man schließt ein Mikrofon an einen Cassettenrecorder oder an die Soundkarte eines Computers an und startet die Aufnahme.

In der Regel verwendet man zusätzlich noch irgend ein leises Hintergrundgeräusch, das man nebenher mitlaufen läßt. Dieses dient als akustisches "Rohmaterial", aus dem sich die Stimmen durch paranormale "Umformungen" bilden sollen. Möglichkeiten hierzu gibt es viele; der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Man kann z.B. einen fremdsprachigen Radiosender oder ein Gemisch aus mehreren leisen Sendern einstellen (Radiomethode), eine vorgefertigte Tonkonserve abspielen lassen (Konservenmethode) oder auch das Plätschern eines Springbrunnens verwenden (Wassermethode). Manche Experimentatoren verwenden dazu auch ein vom Computer künstlich erzeugtes, sprachähnliches Geräusch (Sprachsynthese-Methode). Die Wobbelmethode stellt eine Erweiterung der Radiomethode dar. Eine Kombination mehrerer Einspielmethoden zugleich ergibt sich durch die Verwendung des von Franz Seidl entwickelten Psychophons.

Das Mikrofon sollte in einem Abstand von ca. 1 bis 3 Metern zur Schallquelle (Radio, Computer, ...) aufgestellt werden. Das als akustisches "Rohmaterial" dienende Hintergrundgeräusch sollte nicht zu laut sein - optimalerweise gerade so laut, daß es noch gut hörbar aufgenommen wird, ohne die eigene Stimme zu übertönen. Es gelangt zusammen mit den Fragen und Anmerkungen der Teilnehmer auf die Aufnahme. Man sollte vielleicht anfangs ein paar Testaufnahmen machen, um die optimale Lautstärke sowie den optimalen Aufnahmepegel und den Abstand des Mikrofons zur Rohmaterialquelle durch Probieren zu ermitteln.

Starten Sie nun die Aufnahme. Wenn Sie wollen, können Sie Fragen stellen, z.B. an Ihnen bekannte verstorbene Personen. Sie können die Fragen aber auch allgemein halten, ohne gezielt jemand Bestimmtes anzusprechen. Manche Experimentatoren stellen auch gar keine Fragen. Machen Sie nach jeder Frage, die Sie stellen, etwa 15 Sekunden Pause, um Platz für die zu erwartenden Antworten zu schaffen.

Beispiel einer Einspielung

Zu Beginn der Einspielung, nachdem die Aufnahme gestartet wurde, sagen Sie Datum, Uhrzeit, ggf. den Ort der Einspielung und die verwendete Methode an und nennen die anwesenden Personen, gefolgt von einer kurzen Begrüßung. Beispiel: "Heute ist der 16.05.2001 um 17:23 Uhr, hier sind Peter, Paul und Marie und wir versuchen jetzt eine Einspielung mit der Wassermethode. Wir begrüßen die jenseitigen Freunde und würden uns über einen Kontakt zu euch freuen." Dann stellt jeder reihum (am besten im Uhrzeigersinn) eine oder mehrere Fragen, hinter denen jeweils einige Sekunden Platz für die erwartete Antwort gelassen wird. Beispiel: "Hallo lieber Vati, hier ist Marie, wie geht es dir?" [15 Sekunden Pause] [nächste Frage] usw.

Wenn jemand fertig ist mit seinen Fragen, sagt er "Danke", was für den Nächsten ein Zeichen ist, daß er nun mit seinen Fragen beginnen kann. Zum Schluß bedankt man sich für den Kontakt und verabschiedet sich, z.B. mit den Worten: "Wir bedanken uns für den Kontakt und sagen tschüß bis zum nächsten Mal." Die Aufnahme ist damit beendet.

TIP: Alternativ zu einer Einspielung, bei der viele Fragen "en bloc" gestellt werden, kann man die Aufnahme auch unmittelbar nach jeder einzelnen Frage sofort abhören (also Frage Nr. 1 - Pause von 15 s - abhören - Frage Nr. 2 - usw.). Auf diese Weise ist es möglich, schon während der Einspiel-Sitzung auf evtl. erhaltene Stimmen einzugehen und dadurch einen "Quasi-Dialog" zu führen.

Die gesamte Einspielung sollte möglichst nicht länger als 5 Minuten dauern, da das anschließende Abhören und Auswerten ziemlich zeitintensiv ist und einiges an Konzentration erfordert.

Die Auswertung

Nun kommt die eigentliche "Arbeit", das Abhören der Aufnahme und das Auffinden der Stimmen, die je nach verwendetem Rohmaterial leiser oder lauter sein können. Spulen Sie dazu das Band wieder zum Beginn der Einspielung zurück und beginnen Sie mit dem Abhören. Falls Sie zum Einspielen einen Computer verwendet haben, speichern Sie die Aufnahme vor dem Abhören erst einmal ab, damit nichts verloren gehen kann.

Beginnen Sie nun mit dem Abhören. Achten Sie dabei besonders auf die Stellen zwischen den gestellten Fragen, in denen scheinbar nur das Hintergrundgeräusch zu hören ist. Wenn Sie glauben, etwas Auffälliges gehört oder etwas Sinnvolles verstanden zu haben - und sei es auch erst mal noch so vage -, dann wiederholt Sie die betreffende Stelle so oft, bis sich die Stimme entweder "herauskristallisiert" oder bis Sie feststellen, daß es phonetisch doch nicht ganz paßt - dann war es wohl doch keine Stimme. Ein Cassettenrecorder mit "Repetiertaste" zum schnellen Zurückspulen während der Wiedergabe erleichtert dabei das wiederholte Anhören kurzer Bandabschnitte zum Auffinden der Stimmen sehr.

Versuchen Sie zunächst, ganz "unkritisch" zu hören, bis Sie etwas entdeckt haben. Prüfen Sie dann jedoch "kritisch" jede einzelne Silbe daraufhin, ob es wirklich das heißt, was Sie zu hören glaubten.

Als zusätzliche Prüfung können Sie auch einmal probehalber versuchen, ähnlich klingende Wörter in die Lautstruktur "hineinzuhören". Falls das gelingt, dann ist die "Stimme" wohl doch nicht so eindeutig wie ursprünglich angenommen. Hier ist sehr genaues und sauberes Arbeiten erforderlich, wenn die Ergebnisse überzeugen sollen und man sich selbst nicht etwas vormachen will.

Den Wortlaut identifizierter Stimmen notieren Sie sich - am besten zusammen mit der zuvor gestellten Frage, um die Bezugnahme zu dokumentieren - und zusammen mit der Zählwerksnummer des Cassettenrecorders bzw. der Zeitangabe beim MiniDisc-Recorder auf ein Blatt Papier. Bei Fremdwörtern oder unbekannten bzw. momentan unidentifizierten Lautfolgen bietet sich die Verwendung der phonetischen Lautschrift an. Jedes Einspiel-Protokoll sollte mit Datum und Uhrzeit und evtl. der Cassetten- oder Disc-Nummer versehen werden, damit man es auch später nach Jahren noch zuordnen kann.

Wird direkt am PC abgehört, dann können Sie den Wortlaut der einzelnen Stimmen auch direkt über die Tastatur des Computers eingeben (siehe Einspielen per Computer).

Tips

Man sollte bei Tonbandstimmen keine minutenlangen "Vorträge" in Radio-Qualität erwarten. In der Mehrzahl der Fälle wird man einzelne Namen oder wenige bezugnehmende Worte erhalten; lange Sätze sind eher die Ausnahme. Viele Stimmen sind leise oder schnell gesprochen oder weisen einen ungewohnten Rhythmus oder Klang auf, und oftmals stimmt auch die Grammatik nicht so ganz. Es erfordert schon eine gewisse Zeit der Gewöhnung an die Geräuschkulisse, um die Störungen akustisch "wegzudrücken" und die eigentliche Stimme zu verstehen. Bei regelmäßiger Praxis verbessert sich jedoch die Fähigkeit des Verstehens der Stimmen einerseits und die Qualität der Stimmen andererseits.

Gehen Sie bei Ihren Einspielungen so vor, daß Sie möglichst einen bestimmten Rhythmus einhalten, z.B. jeden Tag oder jede Woche etwa um dieselbe Zeit (allerdings sollte man sich hierbei keinen "Zwang" auferlegen). Zum einen bekommen Sie selber dadurch mehr Übung im Abhören, und zum anderen ist es durchaus möglich, daß sich auch die unsichtbaren Gesprächspartner auf den Kontakt einstellen müssen (siehe dazu den Erfahrungsbericht von Roswitha Calnaido [P81, 4/95]).

Das Wichtigste aber ist: Geduld! Sie können bei den Tonbandstimmen nichts erzwingen - schließlich ist es nicht NUR ein technisches Phänomen. Das Gelingen des Kontaktes hängt von Bedingungen ab, die wir zum Teil überhaupt nicht kennen. Immer wieder wird beobachtet, daß es trotz äußerlich unveränderter Versuchsbedingungen von Einspielung zu Einspielung zu "unerklärlichen Schwankungen" der Quantität und Qualität der erhaltenen Stimmen kommt: Mal kommen viele Durchsagen am Stück, dann wieder wochenlang überhaupt nichts. Man weiß nicht genau, woran das liegt, aber es wird vermutet, daß hierbei auch die geistige oder emotionale Verfassung des Einspielers eine Rolle spielt. Möglicherweise wird durch bestimmte Gefühlszustände irgend eine Art von Energie zur Verfügung gestellt, die den Kontakt ermöglicht. Auf jeden Fall zeigen diese "Phasen" doch sehr deutlich, daß Tonbandstimmen eben nicht nur ein technisches Phänomen oder gar Einbildung sind, sondern daß noch eine weitere Komponente wirksam ist - nämlich eine "geistige"...

Geben Sie also nicht nach ein paar erfolglosen Versuchen gleich auf! Manche Experimentatoren probieren wochen- oder gar monatelang, bevor sie die ersten Stimmen erhalten - bzw. hören! Denn es erfordert auch etwas Gewöhnung, besonders wenn man vorher noch keine Stimmen bei anderen gehört hat. Versuchen Sie deshalb, Kontakt zu erfahrenen Einspielern aufzunehmen! Es ist wirklich sehr hilfreich, vorher schon einmal eine Einspielung bei jemandem mitzumachen, um einen Eindruck davon zu bekommen. Der VTF hat dazu regionale Anlaufadressen, bei denen man sich beraten lassen kann.