Zur Sendung »Kaffeesatz und Gläserrücken« am 2.11.1997 auf Bayern 3von Stefan BionAm 2. November 1997 zeigte der Sender Bayern 3 um 21.45 Uhr einen halbstündigen Filmbericht mit dem Titel »Kaffeesatz und Gläserrücken - Beobachtungen bei Wahrsagern und Geisterbeschwörern«. Der Begleittext zu der Sendung: »Das Geschäft mit dem Okkulten boomt, der Bedarf nach einem Blick in die Zukunft wächst stetig. Es sind nicht nur Erwachsene, die Wahrsagern glauben oder sich die Geister ihrer Verstorbenen beschwören lassen: Immer mehr Jugendliche und Kinder suchen Hoffnung im Okkulten, weil es in der Realität oft an Unterstützung und Hillfe mangelt.« In dem Filmbeitrag ging es u.a. um eine kritische Betrachtung der vor allem bei Jugendlichen weit verbreiteten Praktiken der Zukunftsdeutung und der damit verbundenen Probleme. Oftmals würden die Betroffenen die Ergebnisse der Orakel-Befragung bei anstehenden Entscheidungen ihrem eigenen Gefühl vorziehen. Im schlimmsten Fall könne der Glaube an die vermeintlich richtige Zukunftsprognose zu psychischer Abhängigkeit mit schweren seelischen Schäden führen. Vor allem in Jugendzeitschriften würde über über dieses Thema nicht nur äußerst unkritisch berichtet werden, sondern auch genaue Anleitungen zur praktischen Durchführung, nebst der notwendigen Hilfsmittel (z.B. Tarot-Karten zum Ausschneiden), gegeben. Der bayerische Seminarrektor (Lehrerausbilder) und Zauberkünstler
Wolfgang Hund
In dieser Eigenschaft untersucht Hund zum Beispiel auch die Praktiken von Medien und Wahrsagern, wobei er deren Fähigkeit auf Psychologie und gute Beobachtungsgabe zurückführt. In dem angesprochenen Filmbericht besuchte er auch den Leiter der Nürnberger Tonbandstimmen-Einspielgruppe Ernst Struck mit dem Ziel, das Phänomen der paranormalen Stimmen, die sich auf Tonband-Cassette manifestieren sollen, durch ein von ihm vorbereitetes »Experiment« als Täuschung zu entlarven. Sein »Experiment« bestand darin, die Tonbandstimmen zu befragen, wieviele Bohnen exakt sich in seiner geschlossenen Hand befinden! Daß dieser Test (wie zu erwarten) fehlgeschlagen war, deutete er als »Beweis« gegen die Existenz des Tonbandstimmen-Phänomens, was er anschließend als schlagendes Argument dazu nutzte, seiner persönlichen Verärgerung über okkulte Praktiken im Allgemeinen Ausdruck zu verleihen. Hier ein Protokoll der betreffenden Filmsequenz:
Einmal abgesehen von der offenkundigen Tendenz des Filmberichts, das behandelte Thema durch die polemische Art der Berichterstattung (»Geisterbeschwörer«, »Meister der lärmenden Kiste«) ins Lächerliche zu ziehen und die Meinung des Zuschauers schon dadurch vorzuprägen, ist natürlich die von Hund gewählte Art der »Beweisführung« vollkommen untauglich, da sie sämtlichen Merkmalen paranormaler Phänomene widerspricht:
Ein Mißlingen des »Experiments« war unter diesen Bedingungen also vorprogrammiert. Selbst wenn statt der absurden »Erbsenzählerei« angemessenere Versuchsmethoden verwendet worden wären, hätte ein Fehlschlagen lediglich beweisen können, daß es zu diesem Zeitpunkt unter den gegebenen Bedingungen nicht geklappt hat. Ein Nichteintreffen erwarteter Antworten kann daher wohl kaum als Beweis gegen die Existenz des Phänomens gewertet werden. (Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, daß Hund als Mitglied im Wissenschaftsrat einer "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" das nicht ebenfalls weiß.) Aber auch Struck als langjähriger Experimentator hätte wissen müssen, daß Versuche dieser Art von vorn herein zum Scheitern verurteilt sind - und sich nicht darauf einlassen dürfen. Das Anliegen von Wolfgang Hund - Aufklärung über okkulte Praktiken
und die damit verbundenen Gefahren - ist sehr zu begrüßen und
verdient hohe Anerkennung. Aber er sollte sich schon die Mühe machen,
die betreffenden Phänomene vorurteilsfrei und qualifiziert zu untersuchen
(ggf. mit Unterstützung durch entsprechende Fachleute auf parapsychologischem
Gebiet).
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